Wer auf Topniveau Sport treibt, kommt früher oder später mit dem Thema Doping in Berührung. Deshalb gehören Dopingkontrollen ab einem bestimmten Leistungsniveau zum Alltag vieler Athleten.
Für viele Sportler stellt sich dadurch eine entscheidende Frage: Welche Supplements kann ich bedenkenlos verwenden, ohne bei einer Dopingkontrolle ein Risiko einzugehen?
Genau hier kommen Zertifizierungen wie die Kölner Liste oder Informed Sport ins Spiel. Beide Programme testen Nahrungsergänzungsmittel auf verbotene Substanzen und helfen Athleten dabei, sicherere Produkte auszuwählen. Doch worin unterscheiden sich die beiden Systeme – und wie sicher sind Supplements wirklich?
Warum Supplements ein echtes Dopingrisiko darstellen können
Das größte Risiko bei Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht die falsche Dosierung einzelner Inhaltsstoffe – sondern die mögliche Verunreinigung mit verbotenen Substanzen. Bereits kleinste Spuren können ausreichen, um bei einer Dopingkontrolle positiv getestet zu werden.
Besonders problematisch sind sogenannte Kontaminationen während der Herstellung. Dabei gelangen verbotene Substanzen unbeabsichtigt in ein Supplement, ohne auf dem Etikett aufgeführt zu sein. Für Sportler ist das kaum erkennbar – die Konsequenzen können jedoch enorm sein.
Studien zeigen, dass in Europa etwa 15 % aller Supplements Spuren illegaler Substanzen enthalten, die zu einem positiven Dopingtest führen können (1). In den USA wurden in einzelnen Untersuchungen sogar Kontaminationsraten von bis zu 58 % festgestellt (2).
Gerade im Leistungs- und Wettkampfsport kann ein einziges verunreinigtes Supplement schwerwiegende Folgen haben: Sperren, Aberkennung von Titeln und Wettkampfergebnissen oder im schlimmsten Fall sogar das Ende der sportlichen Karriere – selbst dann, wenn die Aufnahme der verbotenen Substanz vollkommen unbeabsichtigt war.
Bekannte Fälle: Positive Dopingtests durch Supplements
Dass kontaminierte Supplements reale Konsequenzen haben können, zeigen zahlreiche bekannte Fälle aus dem Profisport.

Deutschland: Evi Sachenbacher-Stehle
Die deutsche Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle wurde bei den Olympischen Spielen 2014 positiv auf das Stimulans Methylhexanamin getestet. Als mögliche Ursache galt ein verunreinigtes Nahrungsergänzungsmittel.

Gewichtheben: Abby Raymond
Die US-Gewichtheberin Abby Raymond wurde positiv auf Ostarine getestet. Untersuchungen ergaben später, dass vermutlich ein verunreinigtes Proteinpulver bzw. Pre-Workout-Supplement verantwortlich war. Der Fall wurde von der USADA selbst als Beispiel für die Risiken von kontaminierten Supplements veröffentlicht.

UFC: Jennifer Maia
Auch die UFC-Kämpferin Jennifer Maia akzeptierte 2019 eine Sperre, nachdem Laboranalysen gezeigt hatten, dass ihre Supplements nicht deklarierte verbotene Diuretika enthielten. Der Fall machte erneut deutlich, wie groß das Risiko von Supplement-Kontaminationen selbst im Profisport sein kann.

Weltbekannt: Simona Halep
Die ehemalige Tennis-Weltranglistenerste Simona Halep wurde positiv auf Roxadustat getestet. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) erkannte später an, dass wahrscheinlich ein kontaminiertes Supplement verantwortlich war und reduzierte ihre Sperre deutlich.
Diese Fälle zeigen: Selbst Weltklasseathleten sind nicht vor Kontaminationen geschützt.
Was ist die Kölner Liste?
Die Kölner Liste ist eines der bekanntesten Anti-Doping-Programme im deutschsprachigen Raum. Sie wurde vom Olympiastützpunkt Rheinland gemeinsam mit Partnern wie der NADA initiiert. Die Analysen erfolgen an der Deutschen Sporthochschule Köln.
Das Ziel der Kölner Liste ist es, Sportlern mehr Sicherheit bei der Auswahl von Supplements zu geben. Die getesteten Produkte stammen überwiegend aus dem DACH-Raum und werden auf ausgewählte verbotene Substanzen untersucht.

Vorteile der Kölner Liste
- Hohe Bekanntheit im deutschen Leistungssport
- Fokus auf Produkte aus dem DACH-Raum
- Zusammenarbeit mit anerkannten Anti-Doping-Institutionen
- Mehr Sicherheit bei der Supplement-Auswahl
So funktioniert die Kölner Liste
Wenn du Supplements im Leistungs- oder Wettkampfsport verwendest, solltest du jedes Produkt vor dem Kauf in der Kölner Liste überprüfen.
1. Produkt in der Suche eingeben
Auf der Startseite kannst du oben einfach den Produktnamen oder den Hersteller eingeben. Anschließend erhältst du eine Übersicht aller gelisteten Produkte. Wichtig: Achte darauf, dass du wirklich exakt das richtige Produkt auswählst – inklusive Geschmacksrichtung oder Variante. Nicht automatisch jede Sorte eines Produkts ist getestet.
2. Chargennummer („Batch Number“) prüfen
Öffnest du ein Produkt, findest du unter „Chargenuntersuchungen“ eine Tabelle mit:
- Chargennummer
- Mindesthaltbarkeitsdatum
- Analyse-Datum
- Laborergebnis
Die Chargennummer auf deiner Verpackung sollte exakt mit einer auf der Webseite gelisteten Charge übereinstimmen. Nur diese getestete Charge wurde tatsächlich analysiert.
3. Auf das Analyse-Datum achten
Neben der Chargennummer ist besonders das Analyse-Datum wichtig. Je aktueller die Untersuchung, desto besser. Produkte mit regelmäßig neuen Analysen bieten in der Regel mehr Sicherheit als Produkte, die zuletzt vor mehreren Jahren getestet wurden.
4. Mehr Sicherheit durch wiederholte Tests
Ein gutes Zeichen ist es, wenn ein Produkt über viele Jahre hinweg mehrfach untersucht wurde. Die Kölner Liste weist ausdrücklich darauf hin, dass regelmäßige Kontrollen die Sicherheit erhöhen können.
5. Trotzdem wichtig: Keine absolute Garantie
Auch ein Eintrag auf der Kölner Liste bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt zu 100 % frei von Dopingsubstanzen ist. Laut Kölner Liste wird lediglich das Dopingrisiko minimiert – ein Restrisiko bleibt immer bestehen.
Protokoll zur Absicherung
Wie bereits erwähnt, gibt es keine 100%-ige Sicherheit gegen verunreinigte Substanzen. Aber – von der WADA wird berücksichtigt –, wenn du als Athlet:in alles in deiner Macht Stehende getan hast, um dich abzusichern. Allerdings musst du nachweisen können, dass du Produkte von der Kölner Liste oder Informed Sports gekauft hast. Genau aus diesem Grund empfehlen wir jedem Sportler:in, Fotos/Screenshots von den gekauften Produkten und dem Check auf der Koelner-Liste zu machen. Sollte es nämlich trotzdem zu einem positiven Befund kommen, kannst du so nachweisen, dass du alles richtig gemacht wirst und eine Sperre wird idR. aufgehoben.

Was ist Informed Sport?
Informed Sport (we test – you trust) ist das internationale Pendant zur Kölner Liste und stammt aus Großbritannien. Das Programm arbeitet eng mit der UK Anti-Doping Agency (UKAD) zusammen und testet Supplements von Herstellern weltweit.
Zusätzlich existieren weitere Zertifizierungen wie:
- Informed Choice
- Informed Protein
- Informed Ingredient
- Informed Manufacturer
Diese Programme prüfen unterschiedliche Bereiche der Supplement-Produktion und Qualitätssicherung.
Vorteile von Informed Sport
- Weltweit anerkannte Zertifizierung
- Testung jeder einzelnen Charge
- Prüfung auf über 285 verbotene Substanzen
- Es gibt eine benutzerfreundliche App
- Mit der du Supplements via Barcode scannen kannst und so einfach und zuverlässig eine Zertifizierung prüfen kannst
Unterschiede zwischen Kölner Liste und Informed Sport
Kriterium | Kölner Liste | Informed Sports |
Anzahl getesteter Substanzen | Ca. 100 Stimulanzien & Steriode | > 285 verbotene Substanzen |
Anzahl getesteter Produkte | > 1.000 | > 1.200 |
Testfrequenz | Stichprobenartig | Jede Charge |
Region | Fokus DACH-Region | Weltweit |
Benutzerfreundlichkeit | Nicht sehr gut | Gut |
Der größte Unterschied liegt in der Intensität der Kontrollen. Während die Kölner Liste vor allem stichprobenartig arbeitet, testet Informed Sport jede einzelne Produktionscharge. Dadurch gelten Informed-Sport-zertifizierte Produkte häufig als besonders sicher – sind allerdings meist auch teurer.
GMP-Siegel: Prüft die Dosierung der Inhaltsstoffe
So wurde bei Vitamin-D-Supplements teilweise nur 9 % der angegebenen Menge festgestellt, während andere Produkte bis zu 138 % der deklarierten Dosierung enthielten (3). Besonders problematisch sind Produkte mit Pflanzenextrakten oder Fatburner-Produkte: In Untersuchungen enthielten rund 40 % der getesteten Produkte die angegebenen Inhaltsstoffe überhaupt nicht (4, 5).
Neben Anti-Doping-Zertifizierungen kann auch das sogenannte GMP-Siegel (Good Manufacturing Practice) hilfreich sein. Dieses Prüfsiegel bestätigt, dass die Herstellung und Dosierung der Inhaltsstoffe extern kontrolliert wurden.
Das GMP-Siegel ersetzt zwar keine Anti-Doping-Zertifizierung, kann aber dabei helfen, Qualitätsprobleme und falsche Dosierungen zu reduzieren.
Worauf Sportler wirklich achten sollten
Selbst bei zertifizierten Supplements gibt es keine hundertprozentige Sicherheit. Wichtig ist deshalb:
- Nur Produkte mit aktueller Zertifizierung verwenden
- Prüfen, ob exakt die eigene Geschmacksrichtung zertifiziert wurde
- Auf die richtige Chargennummer („Batch Number“) achten
- Keine unbekannten Produkte aus dubiosen Online-Shops kaufen
Häufig wird nämlich nicht das komplette Sortiment eines Herstellers getestet, sondern nur einzelne Varianten oder Chargen. Gerade deshalb sollten Leistungssportler ausschließlich auf Supplements zurückgreifen, die aktuell auf der Kölner Liste oder bei Informed Sport registriert sind.
Fazit
Die Kölner Liste und Informed Sport helfen Sportlern dabei, das Risiko unbeabsichtigter Dopingverstöße deutlich zu reduzieren. Absolute Sicherheit gibt es zwar nicht – dennoch bieten zertifizierte Supplements einen wichtigen Schutz, insbesondere im Leistungs- und Wettkampfsport.
Die Fälle von Evi Sachenbacher-Stehle, Abby Raymond, Jennifer Maia oder Simona Halep zeigen eindrücklich, dass selbst Profisportler durch kontaminierte Supplements in ernsthafte Schwierigkeiten geraten können.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte ausschließlich geprüfte Produkte verwenden und zusätzlich auf aktuelle Zertifizierungen sowie die jeweilige Chargennummer achten.



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